Am Freitag den 26.09.2008 um 6.00 Uhr morgens ging es los. Die reiselustigen Mitglieder wurden in den drei Stadtteilen eingesammelt. Noch bevor wir das Heimatland verlassen hatten, versprach die Sonne einen schönen Herbsttag. Beim ersten Halt in Frankreich zeigt sich der Herbst von seiner schönsten Seite. Blauer Himmel, Sonnenschein und jede Menge gute Laune. Kein Wunder, denn die meisten Reiseteilnehmer waren schon öfter mit dem BDS unterwegs. Die Ausflüge sind immer gut organisiert, informativ und fördern ungemein die zwischenmenschlichen Beziehungen. Genau so wie es gewollt ist. Viele von uns waren darauf gespannt, was uns in Ligny, unserer Partnerstadt erwartet. Vieles hatte man schon gehört, zu wenig davon erlebt. Einen Angstgegner hatten wir ja fast alle erwartet: Die Sprache. Zwar ist die Sprache schön anzuhören, aber sehr schwer zu sprechen. Entsprechend froh waren wir dann bei unserem ersten Kontakt, dass es deutschsprachige Begleiter gab und dass Dr. Horn aus unserm Reiseteam ein sehr gutes Französisch spricht. Empfangen wurden wir von dem Bürgermeister Messieurs Muel, der von Mitgliedern des Partnerschaftskomitees der Stadt Ligny begleitet wurde. Zusammen ging es dann zur Werksbesichtigung der Fa. Evo - Bus. Früher eine Tochterfirma der Firma Kässbohrer Ulm, heute eine Tochterfirma von Mercedes - Benz. Hier in Ligny werden jährlich ca. 800 Stadtverkehrbusse gebaut. Die Chassis und Motoren werden aus Mannheim geliefert. Viele andere Einzelteile kommen von Zulieferern aus Deutschland, die Endmontage erfolgt in Ligny. Erst wenn alles 100 % funktioniert, geputzt ist und glänzt, dann wird der Bus an die Kunden übergeben. Besonders hat uns gefreut, dass gerade während unseres Besuches, Busse für die SSB Stuttgart gefertigt und ausgeliefert wurden. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann zum gemeinsamen Abendessen mit dem Partnerschaftskomitee. Uns empfing ein gut gelauntes Komitee unter Leitung von Bürgermeister Messieurs Muel. Was uns dann geboten wurde, hat uns alle überrascht und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht dass nur Speisen und Getränke von hervorragender Qualität geboten wurden, nein auch eine Atmosphäre der gegenseitigen Freundschaft und Hochachtung durchzog den Raum. Gegenseitige Grüße wurden ausgerichtet, Geschichten erzählt und von vergangenen Episoden berichtet. Am Ende eines wunderschönen 1. Tages konnte man in viele zufriedene Gesichter sehen.
Am Samstagmorgen ging es dann in die Champagne. Vorbei an riesigen Feldern, die nur erahnen lassen welch Mengen Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais hier geerntet werden. Doch dann blieb uns fast der Atem stehen. Wir alle kennen die Weinberge um Stuttgart oder im Remstal. Auch die Mosel ist vielen ist bekannt, doch was wir hier sahen ließ alle staunen. Weinberge so weit das Auge reicht. Die vielen Kilometer, die wir mitten durch die Weinfelder gefahren sind gab es nichts anderes. Weinstock an Weinstock. Unendlich viele und mittendrin viele fleißige Helfer die bei der Lese ihren Mann stehen. Reisebusse, Kleintransporter und Schlepper. Ein quirliges Durcheinander über all in den Weinbergen. Wir sind angekommen in einer der vielen genossenschaftlichen Keltereien. Wieder kommen wir aus dem Staunen nicht raus. Zuerst die Anlieferung dann das Pressen. Mehr kann man von oben nicht sehen. Der Rest passiert im Keller. Ein modern eingerichteter Weinkeller öffnet sich unseren Blicken. Riesige Pressen, Bottiche und Behälter. Wir können verfolgen wie der Most ausgepresst über Rohrleitungen seinen Lauf in die verschiedenen Behältnisse nimmt. Dann das heiligste, der Lagerkeller. Zwei Etagen unter der Anlieferung werden wir durch riesige Lagerkeller geführt, in denen über 6 Millionen Flaschen Champagner lagern und auf ihre Auslieferung warten. Noch während die Taube an der Rebe hängt, sind schon 75 % der gesamten Produktion über Vorbestellungen verkauft. Und was wir sehen ist nur eine einzige Kelterei mit ca. 270 ha Anbaufläche in diesem riesigen Weinanbaugebiet. Einfach gigantisch. Das gesamte Anbaugebiet der Champagne erstreckt sich über 33.500 Hektar. Nachdem wir alle auch reichlich probiert hatten, was so einzigartig am Champagner ist, haben wir rustikal in einem Gewölbekeller zu Mittag gegessen. Bürgermeister Messieurs Muel ließ es sich nicht nehmen allen ein Glas Champagner zu spendieren. Zurück in Ligny hatten wir noch die Möglichkeit den Herbstmarkt mit seinem bunten Treiben zu besuchen. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann am Abend zum Herbstfest in der Festhalle. Hier wurde bei Livemusik getanzt und an festlich geschmückten Tischen ein 4 - Gänge Menü über mehrere Stunden serviert. Erst spät in der Nacht kamen die letzten ins Hotel. Noch am nächsten Morgen konnte man in viele müde Gesichter schauen. Nach dem Auschecken kam noch eine Überraschung. Bürgermeister Messieurs Muel ließ es sich nicht nehmen, nach dieser kurzen Nacht, persönlich jeden Einzelnen unserer Reisegruppe, mit einem strahlenden Lächeln zu verabschieden. Was für eine Persönlichkeit. Seine offene, herzliche Art hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Nun sollte ein sehr nachdenklicher Teil unserer Reise folgen. Das Ziel war die Festungsstadt Verdun. Nachdem wir unsere Reiseleiterin abgeholt hatten ging es über das ehemalige Schlachtfeld ins Gebeinhaus. Was wir hier gesehen und gehört haben ging tief unter die Haut. Obwohl fast einhundert Jahre vergangen sind, hat doch fast jeder noch Erinnerungen an diese schreckliche Zeit. Sei es durch die Erzählungen der eigenen Großeltern, Verwandten oder Bekannten. Hier war die Hölle, mitten im Herzen Europas. Da stockt der Atem und die Vorstellungskraft reicht nicht aus, das Leiden der Soldaten nach zu empfinden. Trotz dieser verheerenden Kämpfe dauerte es nicht einmal 30 Jahre bis wieder deutsche und französische Soldaten im Krieg ihr Leben verloren haben. Wir beten zu Gott, dass sich so ein Wahnsinn nie wiederholen wird. Nach einem kurzen Aufenthalt in Verdun ging es dann zurück ins Aichtal.
Etwas müde von dem vollen Programm das durch Siegfried Scheurle hervorragend organisiert wurde, den Kopf voll mit Eindrücken, die erst verarbeitet werden müssen, waren wir froh alle wieder gesund zu Hause angekommen zu sein. Ganz herzlich möchten wir uns auch bei unserem Mitglied Andreas Melchinger bedanken. Er hat den Bus organisiert, ist stets sicher gefahren und hat mit seiner Begleiterin einen hervorragenden Service geboten. Was bleibt sind schöne Erinnerungen und die Vorfreude auf den nächsten Ausflug im Herbst 2009.
Udo Kammler Schriftführer











